Ergebnisse der Klimawirkungs- und Risikoanalyse 2021 für Deutschland untermauern die Haltung der BI, dass das gesamte Holzvogtland frei von Bebauung bleiben muss!

In einer Pressemitteilung vom 14. Juni 2021 hat das Umweltbundesamt die Ergebnisse der aktuellen Klimawirkungs- und Risikoanalyse 2021 für Deutschland bekannt gegeben. Diese Analyse zeigt die Risiken verschiedener Klimaszenarien bis zum Jahr 2050 und bis zum Ende des 21. Jahrhunderts auf.

Begrünung und Entsiegelung in Städten als Vorsorgemaßnahmen gegen gravierende Hitzebelastungen und andere Wetterextreme

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Analyse sind eindeutig: Um sich für Risiken durch extreme Hitze, Trockenheit, Überflutungen durch Starkregen oder Stürme zu wappnen, müssen Kommunen konsequent Maßnahmen zur Verbesserung der natürlichen Umwelt umsetzen. Hierbei geht es nicht um Maßnahmen, die den zukünftigen Klimawandel bekämpfen, sondern um Maßnahmen, die als Vorsorge und Anpassung an die bereits heute nicht mehr vermeidbaren Folgen des Klimawandels getroffen werden müssen. „Dazu gehören tödliche Hitzebelastungen, besonders in Städten, Wassermangel im Boden und häufigere Hoch- und Niedrigwasser, mit schwerwiegenden Folgen für alle Ökosysteme, die Land- und Forstwirtschaft…“, wird in der Pressemitteilung berichtet. Zu den für Städte abgeleiteten notwendigen Maßnahmen zur Abmilderung der Extremwetterereignisse zählen unter anderem die

  • Verringerung von asphaltierten Flächen (Entsiegelung)
  • Schaffung von renaturierten wasseraufnehmenden und -abgebenden Freiflächen
  • großflächige Begrünung von Freiflächen und Dächern
  • Vernetzung von grünen Strukturen
  • Anpflanzung von Bäumen in Städten und so schnell wie möglich
  • Reduzierung des Flächenverbrauchs(!)

Was ist noch nötig, damit wir erkennen, dass der Klimawandel die primäre Herausforderung für unsere Stadt Reinbek ist? Die zurzeit stattfindenden politischen Entscheidungen in Reinbek sind exakt gegenläufig zu den Erkenntnissen und Empfehlungen der Klimawirkungs- und Risikoanalyse des Umweltbundesamtes:

Wenige Tage nach Veröffentlichung der Klimawirkungs- und Risikoanalyse 2021 wurde am 17.06.2021 in der Reinbeker Stadtverordnetenversammlung (STVV_2021_06_17) unter TOP Ö23 der Antrag, auf eine Bebauung des Holzvogtlandes langfristig zu verzichten, von der Mehrheit der Stadtverordneten abgelehnt, obwohl dieses Land von essentieller Bedeutung für die Abmilderung der aufgezählten Extremwetterereignisse ist: Hier kühlt sich Luft ab, Wasser kann langsamer abfließen und versickern, Stürme werden verlangsamt, um nur einige Beispiele zu nennen.

Für die Bebauung des Holzvogtlandes oder auch Teilen davon wird immer wieder das Argument „Bedarf an sozialem und altersgerechtem Wohnraum“ angeführt. Diesen Bedarf zu decken ist sicher eine sehr wichtige Aufgabe. Der tatsächliche Bedarf an Wohnraum in Reinbek, der aus Reinbeks Bevölkerung selbst entsteht, ist allerdings vergleichsweise gering. Daher sollen faktisch ohne Notwendigkeit Neubaugebiete geschaffen werden, mit der direkten Konsequenz großer Auswirkungen des Klimawandels auf Reinbek.

Die BI setzt sich dafür ein, dass anstatt dessen bestehende alternative Lösungen ausgeschöpft werden sollen und nicht zusätzliche unwiederbringliche grüne Flächen versiegelt werden. Grüne Flächen, die wir brauchen werden, um die Gesundheit der in Reinbek lebenden Menschen zu schützen, weil sie für ein ausgewogenes Mikroklima in unserer Stadt sorgen.

Nur ein Acker…?

Hervorgehoben

Das Holzvogtland besteht zu großen Teilen aus landwirtschaftlich genutztem Ackerboden. Den oft vielfach unterschätzten Wert dieses Bodens verdeutlicht der folgende Artikel des BUND auf anschauliche Weise.

Der BUND-Umweltbrief erschien zunächst in “Der Reinbeker” vom 08.02.2021. Nachdruck mit freundlicher Genehmigung – vielen Dank!

“Knick kommt von Knicken”

Die Knicks von Schleswig-Holstein – nicht nur im Holzvogtland – sind wahre Wunderwerke. Sie bieten nicht nur unzähligen Tier- und Pflanzenarten eine Heimat, sondern dienen auch als Grenze zwischen Feldern und als Schutz vor Winderosion, Wild und Weidetieren von nebenan. Leider schützen sie nicht vor Bauinvestoren, aber sonst sind sie ökologisch, lokalhistorisch und kulturlandschaftlich einzigartig.

Wer mehr über Knicks und deren Wert erfahren möchte, findet wesentliche Informationen im nachfolgend verlinkten Beitrag (mit Video) des NDR.

https://www.ndr.de/ratgeber/reise/Knicks-in-Schleswig-Holstein,knicklandschaften101.html

Die Besonderheit von Knicks

Knicks gehören nach §21 Landesnaturschutzgesetz in Verbindung mit §30 Bundesnaturschutzgesetz zu den gesetzlich geschützten Biotopen. „Handlungen, die zu einer Zerstörung oder einer sonstigen erheblichen Beeinträchtigung […] führen können, sind verboten.“[1]

Was ist jedoch die schützenswerte Besonderheit der Knicks?

Ursprünglich wurden Knicks vor mehr als 200 Jahren angelegt, um benachbarte landwirtschaftliche Flächen voneinander abzugrenzen – sie stellen jedoch bis heute ein wichtiges landschaftsprägendes Element der schleswig-holsteinischen Kulturlandschaft dar. Der NABU Schleswig- Holstein schätzt die aktuelle Ausdehnung des schleswig-holsteinischen Knicknetzes auf rund 45.000km.

Knicks im Holzvogtland gehören zu den landschaftsprägenden Elementen der schleswig-holsteinischen Kulturlandschaft

Knicks stellen ein einzigartiges Ökosystem dar: Sie bieten zahlreichen Tieren und Pflanzen einen Lebensraum. „So wird die Zahl der die Knicks bewohnenden Tierarten Schleswig-Holsteins auf ungefähr 7.000 geschätzt; davon können auf nur einen Kilometer einer Wallhecke etwa 1.600-1.800 Arten leben.“[2] Einer der typischen Bewohner von Knicks ist bspw. die Haselmaus, die als bedrohte Art eingestuft wird.[3] Ihr Vorkommen in Reinbek wird in der Begründung zur 42. Flächennutzungsplanänderung für die Bebauung nördlich des Bebauungsplans Nr. 50 “Steinerei” bestätigt und sogar als einer ihrer Verbreitungsschwerpunkte bezeichnet (vgl. S. 11 der Stellungnahme der Stadtplaner Evers & Küssner aus Dezember 2017).4

Knicks sind ein einzigartiges Ökosystem

Tiere leben jedoch nicht nur in einem abgegrenzten Lebensraum sondern viele von ihnen haben zu verschiedenen Lebensabschnitten unterschiedliche Anforderungen und wechseln ihr Umfeld: bspw. im Frühjahr die Wanderung der Kröten zu ihren Laichgewässern. Knicks haben hierbei die wichtige Funktion, verschiedene Biotope miteinander zu vernetzen: So werden bspw. Wälder und Tümpel mit Acker- und Grünflächen, aber auch mit kultivierten Gartenflächen vernetzt. Hierdurch haben Tiere die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Biotopen zu wechseln.

Knicks verhindern Erosionen und fungieren als Wind- und Wetterschutz vor Sand- bzw. Schneeverwehungen. Ebenso können sie erheblich zur Luftverbesserung und zum Klimaschutz beitragen, da die Pflanzen eines Knicks in erheblichem Maße als CO²-Speicher wirken können.